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Manchmal ist eine Zigarre nur ein Penis

von Marcus Stoegbauer

Am 22. März ging die Nachricht von der Verhaftung Jörg Kachelmanns durch die Presse und kam auch in meinem RSS-Reader an. Von mir gab es zu diesem Thema drei Tweets (eins, zwei und drei), die Stefan Niggemeier in seinem Blog unter der Überschrift Kommt’n Meteorologe in’n Knast zusammen mit anderen Tweets zitiert und kritisiert hat, um dann Schlüsse zu ziehen, die ich nicht unbeantwortet (wenn wahrscheinlich auch größtenteils ungelesen) lassen möchte.

Für Witze gilt das gleiche wie für Essen, Musik oder Frauen: sie sind stark vom Geschmack des Konsumenten abhängig. Nicht jeder mag Spinat, Xavier Naidoo oder Xavier Naidoo. Ebenso ist für viele Mario Barth ein rotes Tuch, oder eben meine Witze über geschmacklose Themen wie Verhaftungen oder Vergewaltigung.
Es steht selbstverständlich jedem frei, diese Abneigung öffentlich zu machen und meine Pointen mit ebenso harschen Worten wie in meinen Tweets zu kritisieren und mich dafür einen Idioten zu nennen.

In seinem Blog-Artikel ging Stefan Niggemeier allerdings noch weiter. Aus der Ablehnung des Humor-Verständnisses der zitierten Twitterer schloss er auf die Intelligenz der Autoren, und nicht auf eine schmeichelnde Art.
Doch damit stellt sich Stefan Niggemeier auf eine Stufe mit Vollhonks, die Menschen für geistig minderbemittelt erklären, weil sie Spaghetti-Eis essen, Xavier Naidoo hören oder Mercedes fahren. Unterschiedlicher Geschmack darf keine Basis für eine solche öffentlich verbreitete Meinung sein. Wenn mich jemand für doof wie die Nacht (kein Zitat) hält, dann bitte aufgrund Erfahrung aus persönlichem Kontakt mit mir. Nicht auf Basis meiner Pointen.

Allgemein scheint Stefan Niggemeier in dem Artikel Probleme mit Verallgemeinerungen zu haben (ja, das ist Absicht). In seinem Artikel und den Kommentaren liest man, dass sich die Twitter-Benutzer zu einer Pointenschlacht aufgeschaukelt hätten. Eine flüchtige Durchsicht der Followers/Following-Listen der zitierten Twitter-Benutzer zeigen keine offensichtlichen Verbindungen zwischen den Benutzern. Deshalb gehe ich eher davon aus, dass sich die Tweets unabhängig voneinander ergeben haben und Stefan Niggemeier sie geballt wahrgenommen hat, weil er explizit nach Kachelmann bei Twitter gesucht hat. Genauso gut kann ich in einen Stripclub rennen und mich über die ganzen nackten Frauen beschweren, oder mich neben einen Frauenparkplatz stellen und ständig “Einpaaaaarken” rufen.

Eine Vorverurteilung Kachelmanns, wie sie Stefan Niggemeier in den Tweets zu erkennen glaubt, kann ich in den zitierten Tweets auch nicht sehen. Die meisten Tweets erwähnen, dass Kachelmann verhaftet wurde – einige spezifizieren, dass es sich um U-Haft handelt – und stellen dann einen Bezug zu Begriffen her, die in Wettervorhersagen gerne benutzt werden. Vorverurteilung geht für mich anders. Hinzu kommt der in den Kommentaren gerne herangezogene Vergleich mit Stammtisch-Phrasen oder Schmierereien auf der Toilettentür. Nur weil ich beim Austreten lese, dass Hans-Jürgen wie der Sturm bläst, renne ich nach dem Händewaschen nicht aufgeregt an den Tresen und suche nach ihm.

Allerdings kann ich auch positive Stellen in dem Artikel erkennen. Es schmeichelt mich natürlich, wenn man mich (indirekt) als Westentaschen-Harald-Schmidt bezeichnet. Harald Schmidt als Marke funktioniert auch heute noch prima, als Gradmesser für Humor taugt er für mich aber seit mindestens 8 Jahren nicht mehr.

Und dann möchte ich aus den Kommentaren die Formulierung "[…], der das Thema Vergewaltigung im Witzrausch dann auch noch mit einer homophoben Knastsex-Fantasie würzt, […]" hervorheben, deren Wortgewalt mich stark beeindruckt hat.

Und zum Schluss der gespielte Witz:
Die Überschrift des Artikels hätte natürlich “Kommt’n Meteorologe im Knast” heißen sollen.

1 Comments for Manchmal ist eine Zigarre nur ein Penis

  1. MrQT schrieb:

    Vielen Dank für die Antwort! Ich follow Dich überhaupt erst/nur wegen der Wetter-Tweets.
    Das ist für mich die Definition der Satire. Wer in der Öffentlichkeit steht, muss mit so etwas rechnen. Und wem Harald Schmidt und die Titanic zu Geschmacklos sind, die müssens ja nicht konsumieren.

    Grüße